12 - 14 Oktober 2026
Messegelände Berlin

 „Man muss das, was man predigt, auch selbst in die Tat umsetzen“ – POV von Damien Guichard

©  Damien Guichard

POV ist eine neue Meinungsreihe des BCB mit führenden Stimmen aus der internationalen Bar-Community.

In dieser Ausgabe geht es um Damien Guichard – BCB Brand Ambassador –, der über einen der größten Widersprüche der Branche spricht: die wachsende Lücke zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir tatsächlich tun.

Wir leben in einer performativen Ära

Wir leben in einer performativen Ära, in der das, was gesagt wird, oft wichtiger erscheint als das, was tatsächlich getan wird. Ich hatte das Privileg, an der Schnittstelle zwischen der Bartender:innen-Community und der gesamten Branche zu stehen, und dabei ist mir immer wieder eine deutliche Diskrepanz zwischen Worten und Taten aufgefallen.

Die Lücke zwischen Worten und Taten

Auf der einen Seite sprechen Bartender:innen berechtigte Probleme an: niedrige Löhne, mangelnder Respekt, ungesunde Arbeitsgewohnheiten und der Bedarf an besserer Weiterbildung.

Es wird über die Nachfrage alkoholfreier Angebote gesprochen, darüber, dass Auszeichnungen keine Rolle spielen sollten, dass Gäste oberste Priorität haben und Bildung die Grundlage für Fortschritt ist.

In der Praxis fällt es Marken jedoch schwer, Veranstaltungen zu füllen, Seminare bleiben halb leer und viele reisen um die Welt, während ihre Bars unterbesetzt bleiben. Manche verpassen spannende Chancen, weil sie ihre E-Mails nicht lesen.

Auf der anderen Seite betonen Marken immer wieder, dass Bartender:innen der wichtigste Teil der Branche seien und fragen, wie sie unterstützen können.

Gleichzeitig werden Advocacy-Budgets gekürzt, „Win-win“ bedeutet oft unbezahlte oder schlecht bezahlte Arbeit und Unterstützung erhalten vor allem diejenigen, die einer Marke bereits einen Mehrwert bieten.

Veränderung braucht Zeit

Es gibt genug Dinge, die sich ändern müssen.

Doch Veränderungen verlaufen meist langsamer, als die meisten hoffen.

Über Probleme zu sprechen und Bewusstsein zu schaffen, ist wichtig – aber das ist nur der Anfang, nicht das Ziel.

Echter Wandel entsteht durch kleine, bewusste und konsequente Schritte, die sich im Laufe der Zeit summieren. Genau deshalb fühlt er sich so schwierig an: Jeder einzelne Schritt scheint zu klein, um wirklich etwas zu bewirken.

Fortschritt erfolgt schrittweise

Wir leben in einer schnelllebigen Welt, die uns darauf konditioniert, sofortige Ergebnisse zu erwarten.

Doch echter Fortschritt erfordert Geduld, Beständigkeit und Vertrauen.

Gleichzeitig wird unsere Wahrnehmung anderer zunehmend davon geprägt, was sie zeigen – und was wir zu sehen bekommen. Dadurch fällt es leicht, falsch einzuschätzen, was andere besser oder schlechter machen als wir.

Veränderung beginnt beim Einzelnen. Sie ist unbequem, anfangs oft einsam und selten spektakulär. Aber genau das bedeutet Wachstum.

Work-Life-Balance erreicht man nicht über Nacht, genauso wenig wie man Spirituosen oder Techniken an einem Tag meistert. Fortschritt geschieht Schritt für Schritt.

Mach dir eine Liste.

Entscheide, was dir wirklich wichtig ist.

Mach den ersten Schritt.

Bitte um Hilfe.

Erstelle einen Plan und setze ihn um.

Damien Guichard
BCB - Brand Ambassador, Consultant

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