Miracle: ein globales Franchise-Unternehmen für Weihnachts-Pop-Up-Bars

Von Andrew Wilkin

Weihnachtliche Drinks, die inmitten von übertriebener Weihnachtsdekoration serviert werden – das ist das globale Pop-Up-Bar-Franchise Miracle. Die Idee entstand 2014 in New York, als Greg Boehm die Arbeiten an seiner Cocktailbar Mace pausieren lies und den Raum stattdessen für nur fünf Wochen in ein weihnachtliches Wunderland verwandelte. Das Konzept war ein großer Erfolg und das Miracle expandierte schnell, mit weiteren vier Standorten im Jahr 2015. Heute ist Miracle nicht nur in den USA präsent, sondern auf der ganzen Welt.

Auf dem diesjährigen BCB Pouring Digital sprach Elva Ramirez mit Boehm und seiner Barmanagerin Joann Spiegel, die beide in New York City ansässig sind.

Es war als einmalige Aktion gedacht

“Am Anfang dachte ich nur an diese eine Location” so Greg zur Entstehung des Miracle. „Ich hatte gerade die Bar gekauft, aus der das Mace werden sollte, und vor der Renovierung haben wir spontan ein Weihnachts-Popup gemacht. Wir hatten nicht geplant, dass es etwas Größeres wird.“

Aber die Sache kam anders. Bereits im zweiten Jahr kamen ein paar Freunde hinzu und machen aus einem Miracle-Standort vier. Dann 17 Standorte im nächsten Jahr. Dann 54 Standorte im darauffolgenden Jahr.

Die Miracle Bars sind alle gleich, aber doch unterschiedlich  

Die Marke Miracle ist sehr stark und leicht wiederzuerkennen. Es gibt Bonbon-Streifen. Und Tartan. Es herrscht ein augenzwinkernder und frecher, aber nostalgischer Vibe vor. „Aber das Tolle ist, dass es auch flexibel mit unterschiedlichen Weihnachtstraditionen gefüllt werden kann“, sagt Joann. „Das sieht man an allen Standorten. Man kann erkennen, was ein Miracle-Standort ist, aber sie sind trotzdem alle unterschiedlich.“

„Du weißt, dass du in einem Miracle bist, wenn du ein Miracle betrittst“, lächelt sie. Greg gibt weitere Details dazu: „Wir geben den Bars die Richtung vor, da wir wissen, was bei den meisten Kunden gut ankommt.“ Sie schicken ihren Partnerbars eine Vielzahl von Dingen zur Inspiration, darunter Moodboards, Designideen und dekorative Dinge, die sie selbst herstellen (z. B. Glaswaren), aber es gibt auch Raum für eigene Ideen zu Weihnachten.

Und worauf basiert das Konzept? „Es basierte auf dem Keller meiner Großeltern, der in den 1950er Jahren gebaut wurde - das ist das Weihnachten, an das ich mich immer erinnere“, sagt Greg.

Es gibt viele Gründe, warum Barbetreiber vom Miracle verführt werden

Welche Vorteile bietet Miracle-Konzept den Betreibern? In erster Linie ermöglichen sie eine Steigerung von Volumen und Umsatz. Darüber hinaus bietet das Konzept Zugang zu einer etablierten Gemeinschaft und erreicht eine völlig neue Zielgruppe, die Weihnachten mit sich bringt.

Auch die aktuelle wirtschaftliche Situation könnte für viele ein Argument sein, es mit einem Miracle zu versuchen. „Ich denke, die Leute sind konservativer, deshalb macht es noch mehr Sinn“, so Greg. „Miracle nimmt viel von dem Risiko weg, das man hat, wenn man eine Bar eröffnet. Wenn es Probleme gibt, können wir unterstützen – oder sie können die anderen Betreiber der Miracle-Standorte fragen und sich austauschen. Wir können alles zur Verfügung stellen, von den Gläsern bis hin zur Musik.“

Das betont auch Joann: „Es gibt wohl kaum eine Frage, die nicht schon gestellt und beantwortet wurde, und falls doch nicht, dann werden wir schnell eine Antwort finden.“ Was aber auch wichtig sei ist, dass man als Miracle-Betreiber nicht untereinander in den Wettbewerb treten müsse. „Wenn man ein Miracle betreibt, hat man die Lizenz für dieses Gebiet“, sagt sie. Darin unterschiede man sich von manch anderem Franchise-System. „Es gibt nicht die gleiche Sättigung wie bei Starbucks. Wir wollen nicht an jeder Ecke ein Miracle sehen“, so Joann.

Auch die Drinks sind von Nostalgie inspiriert

Woher nimmt Miracle seine Inspiration für die Drinks? „Genau wie bei unserer Einrichtung lassen wir uns auch hier ein wenig von Nostalgie inspirieren“, so Joann. So gäbe es regionale Beispiele wie auf Hawaii, wo Schinken und Ananas integriert wird, oder aber die globalen Dauerbrenner wie kandierte Marmeladen und Marshmallows. „Wir lassen uns von den Aromen des Weihnachtsfestes inspirieren, egal wo auf der Welt man sich befindet.“ Ansonsten sei ihr persönlicher Favorit noch die Terry's Chocolate Orange!

Eine Sache, die sie am Miracle lieben, ist, wie es Neulinge in Cocktail-Fans verwandelt. „Das Tolle ist, dass die Bar die Leute an ziemlich fortgeschrittene Cocktails heranführt. Wir tricksen sie sozusagen aus”, lächelt Greg. Es gibt bei uns sogar einen Drink, Namens Flip, in dem ein ganzes Ei drin ist.

Aber wie sieht die Standard-Karte aus? Bei einer Cocktailkarte im Miracle kann man zehn Cocktails und ein paar Shots erwarten. Und obwohl sie sehr vielfältig ist, bleiben viele Klassiker an allen Standorten erhalten. Ein Beispiel dafür: der Chrismapolitan. Und ja, sie arbeiten das ganze Jahr über an der Idee und Kreation der Drink: „Wir sind ein Ganzjahresbetrieb“, sagt Joann. „Obwohl es nicht so einfach ist, bei heißen Temperaturen im Sommer in New York Rezepte zu entwickeln.“

Im Miracle ist das Glas das Herzstück des Drinks

Mit zum Beispiel dem SantaRex und dem Christmas Carol Barrel verfügt das Franchise über viele beliebte Glaskonzepte. „Als wir anfingen, benutzten wir Vintage Gläser“, sagt Greg. „Meistens hatten wir zuerst die Idee für das Glas – jeder Drink kommt in einem einzigartigen Glas, und überlegten uns erst dann, was hineinpasst.“ Und manchmal haben sie sogar die Beliebtheit bestimmter Gläser unterschätzt: SantaRex, ein Keramikgefäß in Form eines Dinosauriers, war in manchen Jahren schon in der dritten Woche ausverkauft. „Ich glaube, viele bestellen wegen des Glases”, lacht Greg.

Trotz COVID, den Miracle Vibe gibt es auch 2020

Natürlich war 2020 ein noch nie dagewesenes Jahr, das alles durcheinandergewirbelt hat. Was haben sie also gemacht, um sicher rund um den Globus zu operieren zu können, aber dennoch mit dem undefinierbaren Miracle-Zauber?

„Das ist in jeder Stadt anders, je nach den Regeln“, sagt Greg. „Es geht darum, dieses Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, auch mit reduzierter Kapazität und kleineren Gruppen.“ Es besteht kein Zweifel: Es wird anders sein. Reservierungen und Zeitfenster sind Standard. Genauso wie das Aufräumen und Putzen zwischen den Besuchen. Aber es wird immer noch magische Drinks geben, so wie ein Drink sein sollte.

„Es wird sich trotzdem gemütlich anfühlen“, sagt Joann. „Es gibt so viel Fülle in unserem Dekor, dass es sich warm und gemütlich anfühlt. Und Sie werden von vielen Lichtern umgeben sein. Es wird sich überhaupt nicht leer anfühlen.“

Die Nachfrage ist hoch und ein Miracle ist schnell gemacht

„Die Leute haben schon im Juni und Juli Weihnachten entgegengefiebert“, lacht Joann. „Einige haben sogar ihre Häuser dekoriert! Und den Facebook-Nachrichten, Instagram, E-Mails und Anrufen nach zu urteilen, wollen die Leute unbedingt wissen, wann das Miracle wieder da ist.“

Was ist, wenn eine Bar dafür geeignet ist? Wie lange dauert es? „Wir sind so gut organisiert und machen einen Großteil der schweren Arbeit“, sagt Greg. Joann pflichtet ihm bei: „Wenn jemand schnell in das Miracle einsteigen will, ist es sehr einfach. Wir haben in den letzten sechs Saisons so viel Arbeit geleistet, dass ich es mittlerweile innerhalb von 48 Stunden auf die Beine stellen kann.“

Halloween ist einfach nicht das Gleiche

Was andere Konzepte angeht, so hat die Miracle-Crew mit Sippin' Santa, die Tiki-Version vom Miracle, kreiert. Aber von Halloween als Konzept sind sie nicht überzeugt. „Es hat nicht ganz das volle Durchhaltevermögen von fünf Wochen“, gibt Greg zu. „Es ist eigentlich sehr schwer, ein Konzept zu finden, das einen Monat durchhält.“

Und sie lieben ein bisschen Mariah Carey!

Was ist mit der Playlist? Er arbeitet seit sechs Jahren daran, ändert sie jedes Jahr, und schaffte sogar einige nicht zu erwartende Künstler ab. „Nicht jeder Song klingt auf einem Soundsystem gut, Elvis zum Beispiel ist in einer Bar scheiße“, sagt er. „Wir müssen also genau herausfinden, welche Songs gut ankommen.“

In einem Miracle kann man viele nostalgische Weihnachtslieder erwarten, aber sie wollen nicht, dass die Leute in ihre Santa Rexes weinen. Und es ist auch Platz für den meistgespielten Klassiker des Augenblicks. „Wie oft kommt man schon damit durch, Mariah Carey zu spielen?“, sagt Greg. „Bei Mace schalten sie sogar spezielle Lichter für diesen Song ein!“

 

Danke Greg und Joann für die tolle Diskussion!