• 10.-12. Oktober 2022
  • Messegelände Berlin

Nach Corona: So geht es dem Bierland Deutschland

von Peter Eichhorn

 

Der Blick zurück auf die vergangenen eineinhalb Jahre bietet insbesondere der Brauwirtschaft einen grausigen Schauer. Wie fröhlich war man im Jahr 2020 gestartet mit der Aussicht auf einen prachtvollen Biergarten-Sommer, zahllose Bier- und Volksfeste und einer Fußball-Europameisterschaft mit traditioneller Bierbegleitung vor dem heimischen TV oder im massentauglichen Public-Viewing. Daraus wurde ein gigantisches Nichts.

Gerade Deutschland, jene Nation, die das Fassbier und die optisch ansprechende Schaumkrone heiligt, musste behelfsmäßig improvisieren und neue Verpackungs- und Vermarktungswege suchen. Brauerei-Mitarbeiter, die zuvor die Partner in der Gastronomie eng und intensiv betreuten, mussten umsatteln auf Kontaktpflege zum stationären und Online-Handel. Massen an Fassbier – vieles schon für Sommer und EM vorproduziert – mussten gar weggeschüttet werden.

 

Es geht an die Existenzen der Brauereien

Der Deutsche Brauer-Bunde (DBB) führte im Frühjahr 2021 eine Branchenumfrage bei den deutschen Brauereien durch und förderte dabei angsteinflößende Zahlen zutage:

Derzeit sieht jede vierte Brauerei ihre Existenz gefährdet. Die Corona-Krise hat die gesamte Branche hart getroffen – Unternehmen jeder Größe melden massive Umsatzausfälle, Kurzarbeit und Entlassungen.

Nach der aktuellen Betriebserhebung des DBB ist der Umsatz der Brauereien von Januar bis einschließlich März 2021 im Schnitt um 33 Prozent eingebrochen. Besonders schwer getroffen hat es, laut der aktuellen Stichprobe des Verbandes, Brauereien mit einem hohen Gastronomieanteil. Durch den kompletten Zusammenbruch des Fassbiermarktes beklagen Betriebe Umsatzrückgänge von in der Spitze bis zu 85 Prozent.

 

Rettungsanker Handel?

Nur einer sehr geringen Zahl von Brauereien, die ihre Biere überwiegend oder ausschließlich über den Handel absetzt, gelang es, drastische Einbußen zu vermeiden. Generell aber kann der weitgehend stabile, in der Regel jedoch margenschwache Flaschenbierabsatz nicht annähernd die schweren Verluste im Gastronomiegeschäft ausgleichen. „Einbrüche dieser Dimension hat es seit Ende des Zweiten Weltkriegs in der deutschen Brauwirtschaft nicht gegeben“, so Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes.

Die Folgen des Gastro-Lockdowns und die dadurch bedingten Umsatzverluste schlagen auf alle Unternehmensbereiche in den gut 1.500 Brauereien Deutschlands durch. Mehr als 85 Prozent der befragten Betriebe mussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, vor allem im Außendienst. In vier von fünf Brauereien wurden aktuell anstehende und für die Zukunft wichtige Investitionen verschoben oder ganz gestrichen.

 

Comeback der Dose

Doch in vielen kleinen Augenblicken begegnete die Bierbranche den Herausforderungen der Krise.

Insbesondere kleinere Brauereien konnten halbwegs flexibel auf Dosenabfüllungen umsatteln. Die Umweltbilanz der Dose verbesserte sich in den letzten Jahren eindrucksvoll und weist starke Recycling-Quoten auf. Zumal die Dose das Bier vor Licht schützt, rasch kühlt und für den Transport kompakt und leicht und somit sehr geeignet verpackt. Von den Design-Eigenschaften ganz zu schweigen. Die Dose mutet oft schier als kleines Kunstwerk an.

 

Wachstum entgegen dem Trend

Zudem gelang es dem alkoholfreien Segment im Biermarkt, Wachstum entgegen dem Trend zu generieren. Wurden 2010 nach Branchenangaben noch rund 430 Millionen Liter alkoholfrei produziert, verkauften Deutschlands Brauereien 2020 trotz der Corona-Krise und eines viermonatigen Lockdowns der Gastronomie mehr als 660 Millionen Liter alkoholfreies Bier und Malztrunk. Dies entspricht einer Steigerung des Marktanteils von 53 Prozent innerhalb dieser Dekade, wie der DBB berichtet.

 

Vielfalt beim alkoholfreien Bier

Tatsächlich investierten Brauereien unterschiedlichster Größe in den vergangenen Jahren viel in die Forschung und Entwicklung der alkoholfreien Biere. Neue Techniken bei Filtration oder wiederentdeckte Hefen bei der Malzzucker-Umwandlung sorgten für mehr Vielfalt bei Aromen und Bierstilen. Das „überNormalNull“ der Kreativbrauerei Kehrwieder setzte einen Maßstab bei alkoholfreiem IPA und brachte mit dem Road Runner zuletzt ein aufsehenerregendes alkoholfreies Coffee Stout auf den Markt. Auch die Inselbrauerei Rügen sorgte mit einer alkoholfreien Stil-Vielfalt von Saison bis Extra Special Bitter für neue Impulse. Und beinahe täglich bringen weitere Marken neue Varianten auf den Markt.

Ein alkoholfreies Bier darf noch einen maximalen Alkoholgehalt von 0,5 % Vol. aufweisen. So kommt der absolut alkoholfreien Sparte mit 0,0 % noch eine besondere Bedeutung zu und auch hier wird erfolgreich geforscht, wie beispielsweise das Heineken 0,0 beweist.

 

Unterstützung für die Gastronomie

Marken wie Heineken unterstützten ihre Wirte durch die Pandemie hindurch mit Kampagnen und Geldmitteln. So fällt die charmante „We’ll meet again“-Kampagne auf, die der Geselligkeit-feindlichen Pandemie mit Bildern und Videos einen Hauch Hoffnung entgegensetzt. So gibt es Szenen, in denen Leute in stylishen Outfits ihren Müll rausbringen oder beim Hundespaziergang eine Solo-Tanzparty veranstalten. Die Kampagne unterstreicht die Notwendigkeit von Einfallsreichtum und Erfindergeist in solchen Zeiten. Dazu gerne wieder ein Bier. Egal ob gezapft oder aus der Dose, Hauptsache in Gesellschaft.

Heineken Video: https://www.youtube.com/watch?v=VO1FtdFH1q0