• 10.-12. Oktober 2022
  • Messegelände Berlin

20. Mai 2022, von Lisa Gerhards

Zuwachs im BCB Team – Eleni Nikoloulia im Interview

Sie ist das neue Gesicht im BCB Team, aber für Kenner aus der Branche mit Sicherheit schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr: Eleni Nikoloulia. Die 35-jährige Athenerin ist unter anderem Partnerin von Difford's Guide Greece & Cyprus. Ihre Leidenschaft für die Barkultur und ihre zahlreichen Kontakte innerhalb der Branche wird sie nun als Teil des BCB Education Boards nutzen, um den Besuchern des diesjährigen BCB ein vielfältiges Rahmenprogramm zu bieten. Wir sprachen mit ihr über ihren Werdegang in der Barwelt und was sie fasziniert und motiviert.

 

BCB: Eleni, wer dich kennt, weiß, wie sehr du für die Barbranche brennst. Aber woher kommt eigentlich diese Leidenschaft und wie bist du dort gelandet, wo du heute bist?

Eleni Nikoloulia: Als ich 22 Jahre alt war wurde ich Chefredakteurin eines großen Stadtmagazins. Dort gab es auch eine Kolumne speziell für Bars. Damals gab es allerdings noch gar keine Barszene in Athen, daher hielt es jeder aus dem Team für Zeitverschwendung und wollte sich nicht darum kümmern – und so blieb die Kolumne zu meinem Unmut schließlich an mir hängen. Also dachte ich: versuchen wir es doch einfach mal auf die richtige Art und Weise. Statt in Kneipen zu gehen und über Happy Hours zu schreiben fing ich an, in wirklich gute Bars zu gehen und entdeckte an diesen Orten großartige Drinks und kreative Ideen, die mich faszinierten. Als dann "Baba au Rum" in Athen eröffnete, begann eine ganz neue Ära mit Signature Cocktails, hausgemachten Aufgüssen und Tiki-Cocktails.

 

Und plötzlich war die Begeisterung entfacht?

Eleni: Oh ja, ich verliebte ich mich in die Kreativität und Kunst der Barszene. Im Laufe der Zeit gab es dann die ersten Cocktailwettbewerbe, bei denen Bartender alle möglichen verrückten Dinge taten und die Cocktails sehr ausgefallen servierten. Das hat mich fasziniert und ich war schon sehr früh davon überzeugt, dass ich in dieser Branche mein ganzes Leben lang arbeiten möchte.

 

Nun bist du schon seit einigen Jahren in der Barbranche aktiv, unter anderem als Co-Organisatorin für verschiedene Events. Wie hast du dir dein breites Netzwerk in der Szene aufgebaut?

Eleni: Ich war damals ein junges Mädchen, welches sehr fasziniert war von der Arbeit der Bartender. Also fing ich an, mehrmals pro Woche in verschiedenste Bars zu gehen. So habe ich Kontakte geknüpft – zuerst mit Bartendern, dann mit Barbesitzern und schließlich mit verschiedenen Marken. Dann lernte ich Denny Kallivoka kennen, mit der ich mittlerweile gemeinsam den “Difford’s Guide" für Griechenland und Zypern leite.

 

Und nun bist du Teil des BCB Education Boards. Wie kam es dazu?

Eleni: Ich habe Damien Guichard vor fast einem Jahr auf einer Pressereise in Moskau kennengelernt. An einem Abend besuchten wir gemeinsam viele Bars und probierten unterschiedlichste Cocktails. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden, Witze gemacht und über relevante Themen der Branche diskutiert – und natürlich war auch der BCB eines davon und ich schlug beiläufig Dinge vor, die dem BCB hinzugefügt werden könnten. Eines Tages rief er mich an und sagte: "Weißt du was? Ich habe da eine Idee. Möchtest du Teil des BCB Education Boards werden?"

 

Und wie war deine Reaktion auf das Angebot?

Eleni: Ich war völlig aus dem Häuschen. Ich konnte es kaum glauben. Das ist eines der erstaunlichen Dinge in unserer Branche: Wenn man liebt, was man tut, weiß man nie, wohin es führen kann, wenn man mit jemandem über seine Leidenschaft spricht. Ein zufälliges Gespräch mit Damien in Moskau führte dazu, dass ich Mitglied des Education Boards der relevantesten Messe in der Branche wurde.

 

Du warst schon sehr oft auf dem Bar Convent Berlin. Was sind deine einprägsamsten BCB Momente bisher?

Eleni: Meinen ersten Besuch auf dem BCB vor etwa acht Jahren werde ich nie vergessen. Es war der allererste Eindruck, als sich die Türen öffneten und man Tausende von Menschen aus der ganzen Welt und große Marken sah, die erstaunliche Dinge auf die Beine stellten. Es war atemberaubend. Ich habe noch nie so eine so große Veranstaltung in unserer Branche erlebt.

Natürlich gab es in all den Jahren auch unglaublich viele Seminare, die sehr hilfreich und wahnsinnig inspirierend waren und ich bin immer auf der Suche nach Inspiration – als Organisatorin und vor allem als Journalistin. Denn was mich inspiriert, hält mich motiviert.

 

Worauf freust du dich besonders auf dem diesjährigen BCB?

Eleni: Ich glaube, dass das Jahr 2022 ein Jahr des Wandels, der Wiedergeburt und des Überdenkens all dessen ist, was in den vergangenen Jahren passiert ist, denn es gab eine große Zäsur. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich diese Erfahrungen auf die Branche ausgewirkt haben – aber auf positive Weise. Und ich freue mich auf sehr viele verschiedene Stimmen der Bar-Welt, die wichtige Themen ansprechen und uns damit alle inspirieren werden.

 

Was inspiriert dich denn am meisten?

Eleni: Auf meinen Reisen und all den Veranstaltungen, die ich besuche, treffe ich immer wieder viele spannende Persönlichkeiten. Unter all diesen Menschen gibt es auch immer Ausnahmen, die man nie vergisst. Es kann jemand aus Lateinamerika sein, der seine Bar in eine Farm verwandelt hat. Es kann aber auch eine Bar aus Asien sein, die ein erstaunlich großes Labor hat. Es gibt immer wieder Dinge, die ich sehe, die mir im Gedächtnis bleiben und ich finde es beeindrucken Leute kennenzulernen, die großartige Arbeit leisten und versuchen, die Branche auf vielfältige Arten und Weisen noch weiter voranzubringen.

 

Welche Faktoren machen für dich eine gute Bar aus?

Eleni: Ich liebe die Tatsache, dass jede Bar eine Mischung aus verschiedenen Menschen und Kulturen sowie verschiedenen Stilen aus der ganzen Welt ist. Das allein ist schon ein Cocktail für sich.

Ich bin fasziniert von Menschen, die über sich hinauswachsen, die glücklich sind, in der Branche zu sein und die ihr Team unterstützen – egal, was passiert. Ich liebe es, große Gastfreundschaft zu erleben und ein authentisches Lächeln zu sehen. Für mich geht es nicht nur um einen Drink, eine faszinierende Bar oder ein ausgefallenes Rezept – es geht darum, ein guter Mensch zu sein.

 

Wenn wir uns rein auf die Getränke fokussieren, was findest du hierbei besonders wichtig, damit eine Bar positiv hervorsticht? 

Eleni: Ich glaube, die Konsumenten haben uns im Laufe der Jahre gelehrt, dass sie immer wieder zu den Klassikern zurückkehren. Auch wenn wir gerne eine Million ausgefallener und sehr spezieller Rezepte vorschlagen würden, bevorzugen Gäste immer die Klassiker.

Was ich außerdem in den letzten Jahren immer häufiger sehe, ist, dass Bars ihren Drinks einen Hauch von Lokalität oder Regionalität verleihen. Das kann sowohl eine spannende lokale Spirituose als auch ein Kraut oder eine Blume sein. Der unverwechselbare Geschmack verleiht den Cocktails einen Hauch ihres Landes und ihrer Kultur. Die Welt ist schließlich voll von zahlreichen großartigen Cocktailbars. Aber was unterscheidet eine gute Bar in Griechenland von einer guten Bar in New York? – Es wird sicherlich nicht ihr Negroni oder die Musik sein, sondern etwas anderes. Und das kann für mich darin bestehen, den Getränken einen Hauch von lokaler Kultur, Geschmack oder Aroma zu verleihen.

 

Wenn du in eine Bar gehst, was sind deine Drink-Favoriten?

Eleni: Ich bin ein großer Fan von den Klassikern: zum Beispiel einen sehr kalten Dry Martini. Ich liebe aber auch Negronis und Margaritas – aber bitte ohne Salz! (lacht) Ich bin eine von der Sorte.

 

Kannst du dir diese Drinks auch selbst mixen? 

Eleni: Ich habe das große Glück, mit einem ehemaligen Bartender verheiratet zu sein. So muss ich meine Drinks zum Glück nicht selbst zubereiten. Wie man sich vielleicht vorstellen kann, haben wir sehr viele Flaschen in unserem Haus (lacht).

 

Wunderbar, darauf stoßen wir an! Vielen Dank für deine Zeit, Eleni. Wir freuen uns auf den diesjährigen BCB mit dir!