12 - 14 Oktober 2026
Messegelände Berlin

Less Is More: Rhamos

©  Damien Guichard

Bar ohne Namen

Entschlossen verweigert sich Savage, der Bar einen Namen zu geben. Stattdessen sind drei klassische Design-Symbole das Logo der Trinkstätte in Dalston: ein gelbes Quadrat, ein rotes Viereck, ein blauer Kreis. Am meisten wurmt den sympathischen Franzosen dabei, dass es kein Gelbes-Dreieck-Emoji gibt. Das erschwert auf komische Weise die Kommunikation. Der Instagram Account lautet: a_bar_with_shapes-for_a_name und anderenorts tauchen die Begriffe ‘Savage Bar’ oder eben ‚Bauhaus Bar‘ auf.

 

Für den BCB bringt Savage nun sein Barkonzept mit und mixt für uns mit Unterstützung von Russian Standard Vodka an der perfekten Bar dazu.

 

 

 

 

Heute bei Less Is More dreht sich alles um eine meiner absoluten Lieblingszutaten: Rhabarber.

Jedes Jahr, derselbe Shrub, irgendeine Variation desselben Drinks – und ich werde es einfach nicht satt. Ich bin, ganz ohne Reue, ein One-Trick-Pony.

Nach Jahren des ewigen „einen Schritt vor, zwei zurück" – wie jemand, der nachts in einem fremden Hotelzimmer nach dem Lichtschalter tastet – habe ich ihn endlich gefunden. Es hat eine Weile gedauert. Aber ich weiß jetzt, was mir gefällt. Und ich bleibe dabei.

Was einen wirklich packt, findet man eben erst – nachdem man den Rest aussortiert hat. Früher hat mich das gestört.

Hat mich sogar ein bisschen beschämt. Als wäre ich nicht neugierig genug. Vor allem heute, wo man ständig sieht, was die anderen so auf die Beine stellen.

Wir langweilen uns an dem, was wir können – und schämen uns für das, was wir noch nicht gemacht haben.

©  Damien Guichard

Also habe ich mich dieses Mal gegen den üblichen Shrub entschieden und stattdessen etwas Neues ausprobiert: einen Rhabarber-Curd. Im Grunde ist Rhabarber-Curd wie ein frischer Rhabarberpudding.

Zucker, Rhabarbersaft, Eier, Butter – alles zusammen bei niedriger Hitze, bis es bindet, ohne wirklich zu kochen. Klingt simpel, verlangt aber volle Aufmerksamkeit. 

Wer die Hitze zu hoch dreht oder aufhört zu rühren, endet mit einem Rhabarber-Omelett.

Das Rezept

Zutaten

  • 3 Eier
  • 1 kg Rhabarber, gewürfelt (ergibt ca. 200 g Saft)
  • 150 g Zucker
  • 100 g Butter

Zubereitung

Den Rhabarber gleichmäßig würfeln, in einen Topf geben und mit Wasser bedecken. Bei mittlerer Hitze etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis er zerfällt und seinen Saft freigibt.

©  Damien Guichard

Durch ein Mulltuch filtern und die Flüssigkeit beiseite stellen. 

In einem separaten Topf Butter und Zucker schmelzen und vollständig verbinden. 

Rhabarbersaft und Eier gut verquirlen, dann zur Butter-Zucker-Mischung geben. 

Bei sehr niedriger Hitze unter ständigem Rühren erhitzen, bis die Masse eindickt. Nochmals filtern, abkühlen lassen und kalt stellen. 

©  Damien Guichard

Ob One-Trick-Pony oder alter Hund mit neuen Tricks – eines bleibt: In dieser Branche, wo echte Orientierung selten ist, läuft vieles auf Versuch und Irrtum hinaus. Man saugt alles auf, manches lässt einen kalt, anderes trifft einen mitten ins Herz. Wie als Kind, das jedes Jahr ein neues Hobby anfängt – bis irgendwann etwas bleibt. 

Der Punkt ist: Es ist absolut in Ordnung, etwas zu perfektionieren, das man gut kann. Es ist das Ergebnis von viel Ausprobieren. Von echtem Sampling. 

Und dieser kleine Drink hier – Ist er gut? Ja. Richtig gut. Ist er ein Ramos? Nicht ganz. Der Schaum ist nicht dicht genug für diese typische Textur. 

Rhamos

  • 30 ml Wodka
  • 15 ml Gin
  • 10 ml geklärter Limettensaft
  • 7,5 ml Rhabarber-Curd
  • 5 ml Yuzu Amazake
  • 5 ml Zuckersirup
  • Mit Soda auffüllen

©  Damien Guichard

Bevor jemand anfängt: Ja, ich verwende geklärten Limettensaft in einem Ramos. Der Yuzu Amazake ist sehr fein, und frische Zitrusfrucht hätte ihn einfach erschlagen. Hier war mir Geschmacksbalance wichtiger als Lehrbuchtreue. 

Außerdem hatte ich ihn noch im Kühlschrank. 

Prost!