Less Is More: Negroni

©  Damien Guichard

Bar ohne Namen

Entschlossen verweigert sich Savage, der Bar einen Namen zu geben. Stattdessen sind drei klassische Design-Symbole das Logo der Trinkstätte in Dalston: ein gelbes Quadrat, ein rotes Viereck, ein blauer Kreis. Am meisten wurmt den sympathischen Franzosen dabei, dass es kein Gelbes-Dreieck-Emoji gibt. Das erschwert auf komische Weise die Kommunikation. Der Instagram Account lautet: a_bar_with_shapes-for_a_name und anderenorts tauchen die Begriffe ‘Savage Bar’ oder eben ‚Bauhaus Bar‘ auf.

 

Für den BCB bringt Savage nun sein Barkonzept mit und mixt für uns mit Unterstützung von Russian Standard Vodka an der perfekten Bar dazu.

 

 

 

 

Diesen Monat habe ich mich an etwas gewagt, das ich lange für eine absolute Abscheulichkeit gehalten habe: den Negroni.

Ich mochte ihn noch nie. Für mich hat er immer künstlich und unausgewogen geschmeckt.
Und trotzdem wird er weltweit von Millionen gefeiert – also, wer bin ich schon, das zu beurteilen?
(Natürlich urteile ich trotzdem.)

Kurz habe ich überlegt, den Campari rauszunehmen. Aber das wäre zu einfach gewesen. Zu naheliegend. Also habe ich stattdessen den Wermut gestrichen.
Und ehrlich gesagt hörte dort die Inspiration erst mal auf.

Der Start ins Jahr war aus verschiedenen Gründen frustrierend, und ich saß plötzlich in einer stillen Phase des Schreibblocks. Ironischerweise ist es genau dann, wenn ich mich am wenigsten inspiriert fühle, dass ich am meisten Lust bekomme, völlig absurde Geschmackskombinationen auszuprobieren – so wie mit einer Verletzung laufen zu gehen, nur um zu testen, ob Laufen vielleicht die Lösung ist.

©  Damien Guichard

Wenn ich an meine ersten Jahre hinter der Bar zurückdenke, waren viele meiner Drinks unnötig kompliziert. Im Nachhinein betrachtet hätten sie einfach nicht existieren müssen. Wenn wir weniger wissen, neigen wir dazu, Dinge zu überladen. Wir glauben, Einfachheit lässt uns unerfahren wirken – dabei ist oft das Gegenteil der Fall.

Also habe ich diesmal das Gegenteil gemacht.

Zurück zu dem, was ich früher gemacht habe: Spielfeld begrenzen. Einen Laden auswählen. Nur das verwenden, was es dort gibt. Mehr nicht.

Also bin ich in den koreanischen Shop um die Ecke gegangen.

Nach zwei Minuten hatte ich eine Dose Litschis und eine Flasche aromatisierten Soju in der Hand – etwas, das ich schon unzählige Male gesehen, aber nie probiert hatte. Eine kurze Recherche sagt etwa 10 % Zucker – deutlich leichter als süßer Wermut.

©  Damien Guichard

Und plötzlich war er da: Yuzu & Lychee Negroni.

Den Litschi-Sirup habe ich als süßendes Element verwendet, um etwas Textur und eine zusätzliche Aromenschicht hineinzubringen. Gin und Campari bleiben als Basis erhalten. Um die Bitterkeit leicht zu verstärken, ein paar Tropfen Boker’s Bitters. Und zum Abrunden nur ein, zwei Tropfen Gurken-Eau-de-Vie.

Und ich sag dir: Das ist ein verdammt leckeres kleines Getränk.

Yuzu Lychee Negroni

30 ml Gin
20 ml Yuzu-Soju
20 ml Campari
10 ml Litschi-Sirup
6 Tropfen Boker’s Bitters
2 Tropfen Gurken-Eau-de-Vie

©  Damien Guichard