• 10.-12. Oktober 2022
  • Messegelände Berlin

15. Oktober 2021, von Lisa Gerhards

Was sind kommende Trends für die Barbranche?

Auf dem BCB 2021 konnten Besucher in diesem Jahr wieder einige Produktneuheiten und innovative Unternehmen und ihre Ideen kennenlernen und sich zu aktuellen Themen der Branche austauschen. Aber welche Themen oder Produkte werden wohl in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der Barszene spielen? Hierzu haben wir einige unserer Branchenexperten wie auf dem diesjährigen BCB befragt:

 

Vivian Pei, Senior Academy Chair of World’s 50 Best Bars und VP of Singapore Cocktail Bar Association

Vivian Pei

Ich denke, dass vor allem auf dem asiatischen Markt alkoholfreier Alkohol in Singapur wie auch im übrigen Asien beginnt, Fuß zu fassen. Ich denke, das wird sich fortsetzen. Vor allem wegen der Pandemie haben die Menschen wirklich auf ihre persönliche Gesundheit geachtet, das sind alles Dinge, die bei der Art und Weise, wie die Menschen jetzt konsumieren, eine Rolle spielen. Aufgrund des Gesundheitsaspekts werden die Menschen wahrscheinlich weniger, aber dafür besser trinken.

Was mir auch sehr am Herzen liegt: Das Personal. Die Leute reden oft über Nachhaltigkeit in Bezug auf Materialien und Inhaltsstoffe, aber meine große Sorge gilt der Nachhaltigkeit der Menschen. Dies ist eine Branche, in der Menschen sehr leicht verheizt werden. Jetzt sogar noch mehr. In Singapur setze ich daher eine neue Gesundheitsinitiative durch, die versucht, Gelder zu beschaffen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Tröster aufzusuchen. Das ist nicht billig, und es herrscht immer noch ein großes Stigma. Vor allem in der asiatischen Gesellschaft wird das Thema gerne totgeschwiegen. Ich hoffe, dass wir das Thema mehr in die Öffentlichkeit bringen können und dass die Menschen sich nicht schämen, um Hilfe zu bitten.

Stu Bale & Will McBean

Stu: Nach all der Zeit, nach den letzten paar Jahren, gibt es den Trend zu einfachen Freuden, einfache Dinge einfach gut zu machen, einfach nett zu den Leuten zu sein und köstliche Drinks ohne jeden Schnickschnack zu servieren, keine anspruchsvollen Drinks. Es sollten zugängliche, köstliche Getränke sein. Mein persönlicher Drink, wenn ich eine Bar betrete, ist Tommys Margherita. 

Will: Es geht nicht nur um Rum oder Gin oder Tequila, es geht um alle gleichzeitig – die lustigen Sachen. Gin will einfach nicht verschwinden. Es sollte aber Calvados sein, weil er wirklich köstlich ist. Die Leute wollen sich einfach amüsieren. Ein ausgefallener Cocktail wäre Frozen Banana Daiquiries, aber ich persönlich bevorzuge einen klassischen Wodka Martini.

Stu Bale (links) und Will McBean (rechts) von Crucible

Angus Winchester, Director of Education für den BCB

Angus Winchester

Auf jeden Fall No-Alcohol. Es wird immer mehr Marken alkoholfreier Liquids geben, und die Barkeeper werden sich daran gewöhnen und damit kreativ werden. Ich glaube auch, dass Rum eine große Rolle spielen wird und dass Agave stärker präsent sein wird.

Es ist immer schwierig, Trends vorherzusagen, aber ich glaube auch, dass unsere Branche sehr viel fürsorglicher sein wird. Die Pandemie hat die Menschen dazu gebracht, sich umzuschauen und sich mehr Gedanken über die Lebensqualität zu machen. Daher wird es mehr Professionalität geben, die Menschen anzieht, in die Branche zu kommen und zu zeigen, dass es sich nicht um einen toxischen Lebensstil handelt. Früher war es üblich, 60 bis 70 Stunden pro Woche zu arbeiten, aber das tun wir heute nicht mehr.

Außerdem sehe ich für die Zukunft mehr digitale Aufklärung über Themen der Barszene.

Rémy Savage

Ich denke, bei den Spirituosen wird es immer nach und nach gehen: Ein bisschen Innovation hier, ein bisschen Innovation da. Aber ich kann nicht sagen, ob es Gin, Wodka oder etwas anderes sein wird. Aber ich habe den Eindruck, dass die Leute bei den Konzepten, die sie entwickeln, sehr viel flexibler sind. Wir schauen nicht auf die Bar selbst, sondern auf die Kunst. Es ist viel abstrakter. Es geht darum, dass die Menschen sie selbst sind und Dinge tun, auf die sie stolz sind. Es geht darum, dass jeder ein bisschen Freiheit findet.

Rémy Savage aus "der Bar ohne Namen" in London

Max Venning aus dem Three Sheets in London

Max Venning

Ich glaube, wir bleiben bei dem Trend zur Einfachheit. Die Leute werden saubere und einfache Drinks machen, elegant und vielleicht ein bisschen mehr Spaß dabei haben. Sei es mit einer lustigen Garnierung oder Eiswürfeln. Ich glaube, das wird sich noch mehr durchsetzen. Was die Spirituosen angeht: Ich denke, dass Agave und Tequila ebenfalls einen großen Aufschwung erleben werden.

Ein weiteres Thema in der Barbranche ist die Erholung von den letzten zwei Jahren und die Rückkehr zu dem Punkt, an dem sie sein muss. In Großbritannien gibt es eine große Verschiebung bei der Work-Life-Balance und einer besseren Bezahlung. Es wird also in den nächsten Jahren wahrscheinlich einen großen Wandel in der Branche geben.

Jad Ballout

Ich könnte mir vorstellen, dass es mehr Dive Bars geben wird. Es gibt bereits viele solcher Bars auf der ganzen Welt, wie Two Schmucks oder Hong Kong Dead End. Diese Bars mit der Kombination aus modernen Cocktails und gutem Essen könnten ein Trend werden. Ein großes Thema ist auch die Nachhaltigkeit und wie wir in unserer Branche dazu beitragen können, z.B. den Abfall zu reduzieren.

 

Jad Ballout vom Dead End Paradise in Beirut